Du bist die Kunst!

 

Von Matthias Restle, 15. September 2020

 

Tags: Kunst, Empowerment, Selbstgestaltung, Change, Kreativität

 

Lange Zeit war Kunst etwas, was wir im Aussen bestaunt haben. Sie wurde von Genies wie Leonardo da Vinci, Picasso und Gerhard Richter angefertigt. Das sonntägliche Pilgern in die Museen, das demütige Staunen vor den grossen Bildern in sterilen Museen, bewacht von missmutigen Wächtern, stand für unser gängiges Kulturverständnis.

 

Was ist geschehen? 

 

Kreativität wurde von der Gesellschaft an Hochbegabte ausgelagert. Diese belieferten die Villen der Bonzen und den Kunstmarkt, welcher salopp gesagt durch Investoren kontrolliert wurde. 

 

Eine Folge davon ist, dass nur Wenige von uns glauben, kreative Wesen zu sein. Die Lehrer in den Schulen haben auch noch ihren Teil dazu beigetragen, ein falsches Bild von Kreativität zu vermitteln. Kreativität war etwas, das vereinzelt gewisse Menschen besitzen, jedoch der Allgemeinheit nicht zugänglich ist. 

 

Von uns aus gesehen ist das ein fatales Missverständnis. Wir gehen davon aus, dass jeder Mensch kreativ ist. Wir gehen auch davon aus, dass wir Kreativität benötigen, um uns und unsere marode Gesellschaft zu transformieren. Unser Leben darf zum kreativen Akt werden. Dies setzt voraus, dass du dich nicht fremd bestimmen lässt und deinen Fokus auf die Möglichkeiten in deinem Leben lenkst. Sobald du in Angstmustern gefangen bist, verlierst du, neurologisch gesehen, den Zugang zu deiner Schöpferkraft. 

 

Was ist ein kreativer Mensch? 

 

Lange haben sich die Experten dieser Welt darüber gestritten, was nun wirklich Kreativität ist. Jetzt haben sie die Formel entdeckt. Kurz und bündig gesagt ist Kreativität die Fähigkeit, Polaritäten zu verbinden. Kreative Menschen können z.B. einerseits sehr strebsam sein, erlauben sich aber auch, genüsslich zu faulenzen. Oder sie können sehr intuitiv und assoziativ arbeiten, haben dann aber auch die Eigenschaft ausgebildet, analytisch zu denken. Sie erlauben sich naiv zu sein und dann auch wieder blitzgescheit. Sie loten beide Pole einer Achse aus, können somit durch erhebliche Spannungszustände navigieren und halten prekäre Situationen aus, um dadurch paradoxale Verknüpfungen herzustellen, welche oft überraschend und neu sind. 

 

Wenn du dir erlaubst, dir deine Kreativität zurück zu erobern, dann beginnt das nicht in der Bastelecke im Baumarkt, sondern viel mehr damit, dir deiner internalisierten Glaubenssätze bewusst zu werden, warum du dir z.B. nicht erlaubst, naive Frage zu stellen oder etwas mal dilettantisch und frech zu machen. Sobald du deine gewohnten Rollen verlässt, kannst du Neuland entdecken. Wenn du davon ausgehst, du müsstest immer den rationalen Schlaumeier spielen, dann stehst du definitiv auf dem Schlauch. 

 

Dies bedeutet auch, dass du dich von äusseren Erwartungen und Konzepten befreien darfst. Kreative wie du zeichnen sich dadurch aus, dass sie sich erlauben, persönliche Konzepte zu bezweifeln und alternative und verrückte Ideen zu spinnen.

 

Um unsere drohende Selbstzerstörung aufzuhalten, reicht es nicht, sich biologisch zu ernähren und in der Schweiz Ferien zu machen. Was es in unserer heutigen Zeit braucht, ist Selbstermächtigung im kreativen Sinne zuzulassen. Lass dich nicht mehr durch überholte Konzepte beschränken, welche aus der Zeit unsere Grosseltern stammen. Heute sind sie dysfunktional.

 

Die tradierten Ideen sind teils tief eingegraben in unseren Hirnen und Zellen. Wie können wir diese transformieren? Je mehr du dir erlaubst, in deine innere Welt zu horchen, desto eher kannst du Ideen aufspüren, welche dich im Hintergrund in deiner Kraft beschneiden. Versuche diese Ideen loszulassen. Lass dich ins Unbekannte fallen und erlaube dir, für einmal nicht wissen zu müssen, wohin du driftest. Dies macht natürlicherweise Angst und das ist gut so. 

 

Eine der wichtigsten Stadien in jedem kreativen Prozess ist der Zeropoint. Das ist die Phase, in der du erkennst, dass gar nichts mehr so funktioniert, wie du es dir vorstellst und du realisierst, dass deine Vorstellungen eben Ausdruck alter Ideen sind. 

 

Du tappst jetzt wie ein Neugeborenes in eine neue Welt hinein, welche du noch nicht kennst. Kannst du diese Unsicherheit zulassen? Erlaubst du dir jetzt auszuprobieren und spielerisch zu erkunden? Die Zeit ist da, Kunst nicht mehr als etwas Äusseres zu sehen sondern uns selber als kreative und prozesshafte Wesen zu erkennen, welche sich in einem stetigen gestalterischen Entwicklungsfluss befinden. Du bist die Kunst. Durch aufrechte Selbstuntersuchung kannst du entdecken, dass hinter den vielen wirbelnden Gedankengängen ein subtiles aber profundes Selbst wartet, um erkannt zu werden. 

 

In seiner Anbindung kannst du eine oszillierende Energie entdecken, welche sich nicht durch selbstkonstruierte Persönlichkeitsmuster beschränken lässt, sondern frei fliessend spielt, erkundet und untersucht. So schliesst du dich an die subtile Lebensenergie an, welche dich stetig durchströmt und sanft vorwärts drängt. Diese Angeschlossenheit ist notwendig, um wirklich nachhaltige und weise Projekte in diese Welt zu träumen. Das Kreative kann emergieren, wenn wir damit beginnen, unsere Kontrolle loszulassen und betonierte Paradigmen durch wilde und feine Pflänzchen aufzusprengen.

 

 

 

 

 

 

 

 

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